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Das Licht der aufgehenden Sonne brach sich am stillen Wasser und zauberte wunderschöne optische Spiele an die Oberfläche. Die Wellen brachen sich an einer riesigen Mauer, mindestens zwei Dutzend Mann hoch und acht Mann breit. Wimpel und Fahnen tanzten zum aufkommenden Wind und schlugen gegen die Metallstangen. Shiro blickte an den Horizont. Er hatte sich eingebildet, kleine Umrisse gesehen zu haben. Er kniff die Augen zusammen.. Da war wirklich etwas. Doch was? Shiro konnte es nicht erkennen. Er stemmte sich auf die leicht abfallende Zinner. Er erkannte die Wesen am Horizont. Vor Schreck fiel er fast die hohe Mauer hinab und wäre daran zerschellt. Er sprang zurück auf den Wehrgang, nahm sein Horn vom Gürtel und blies dreimal kräftig hinein. Dann wandte er sich noch einmal dem Horizont zu. Er war schwarz. Lauter schwarze Segel zierten das Meer und kamen immer näher. Shiro hörte Rüstungen klirren. „Was ist los?“, hörte er die Stimme eines Offiziers. Der Schneeelf streckte seinen zitterten Arm aus und deutete auf das Unheil. Er brachte kein Wort über seine blassen Lippen. „Bei Fenia“, flüsterte der Offizier. Die Schiffe kamen mit beachtlicher Geschwindigkeit näher, einige waren riesig, so gross wie ein Drache, aus vergangener Zeit. Shiro stand dicht gedrängt in der ersten Reihe der Verteidiger. Er hatte Platz für seinen Bogen und um sein Schwert zu schwingen, mehr nicht. Sie mussten Winterstan halten, sonst würde das ganze Land Schritt für Schritt fallen. „Was zur? Was sind das für Schiffe?“, flüsterte ein junger Waldelfkrieger, der vor wenigen Wochen aus den Wäldern Darians nach Winterstan kam. GShiro wunderte sich über diese Frage und erkannte es jetzt auch. Die Schiffe der Feinde waren an einigen Stellen weiß gefärbt, an anderen noch dunkler, zeitweise durchzogen rote Linien das Schiff. Der stämmige Schneeel machte einen Schritt nach vorne und übergab sich über die Mauer. Genau wie viele seiner Kameraden in diesem Moment. Die Schiffe bestanden aus Leichen. Es mussten tausende von Toten sein, die dicht aneinander genagelt wurden um kein Wasser hineinzulassen. Der Befehl für den Pfeilbeschuss kam, Shiro hatte Probleme, überhaupt einen Pfeil aus dem Köcher zu ziehen. Seine Hand zitterte zu sehr. Er hatte schon oft an diesem Wall gegen die Verstoßenen gekämpft, doch diese Schiffe, diese Leichenschiffe, hatte er noch nie gesehen. Der Schneeelf spannte den Pfeil in die Sehne und hatte große Schwierigkeiten, zu zielen. Junge Rekruten, bewaffnet mit Fackeln, liefen geduckt durch die Reihen und entzündeten die Pfeile. Ein Schrei ertönte, die Verteidiger ließen los. Mit einem Pfeifen machten sich die Geschosse auf den Weg und hinterließen schwarze Spuren am Himmel. Etliche Pfeile trafen und durchlöcherten die Leichen. Es geschah kaum etwas und die Verstossenen kamen immer näher. Sie konnten mehrere Einzelheiten der Schiffe erkennen, mehrere Krieger ergaben sich erneut. Shiro erfasste die Kälte, für die sein Volk bekannt war. Mit seinen Kameraden schickte er erneut brennende Pfeile los. Diesmal mit Erfolg. Fast einhundert Schiffe fingen Feuer, sieben davon gingen nach einigen Augenblicken unter. Ein Befehl ertönte vom größten Schiff der Feinde und die restlichen Schiffe, Shiro schätzte sie auf 90, feuerten ihre Katapulte ab. Die Verteidiger von Winterstan duckten sich, als Leichen und einzelne Gliedmaßen auf sie herabregneten. Einige Verteidiger begannen zu weinen, Freunde unter den Geschossen erkannten und dies alles nicht verkrafteten. Doch der Angriff war noch nicht zu Ende. Plötzlich richteten sich die Leichen auf, egal in welcher noch so grotesken Position ihre Gliedmaßen standen, und griffen an. Bewaffnet mit Armen, Beinen und Zähnen schlugen sie um sich, stürzten sich auf junge und alte Schneeelfen. Shiro packte sein Schwert und schlug einem armlosen Ork den Kopf ab. Er bemerkte nicht die brennenden Schiffe, die hinter ihm gegen die mächtige Schutzmauer donnerten. Es machte ekelhafte Geräusche als Knochen und Schädel barsten, als die Leichenschiffe dagegen prallten und ihr einigen Schaden zufügte. Es war dennoch ein leichter Kampf, die eigenen Verluste hielten sich in Grenzen, doch der Wall war jetzt schon blutrot und übersät mit Leichenteilen. Die übrigen Schiffe schwammen in einer geschlossenen Linie gegen die Mauer, das Größte blieb jedoch etwas dahinter. „Wo bleiben unsere Katapulte?“, fragte Shiro laut. Eine Wand aus Schweigen antwortete ihm. Die ersten Schiffe trafen auf und zerschellten, rissen jedoch den Stein heraus. „Achtung, ducken!“, schrie ein Menschenoffizier. Es machte einen lauten Knall und über den Köpfen der Verteidiger zogen 100 brennende Felsen hinweg. Sie zerrissen die Schiffe und setzten sie in Brand. Doch dies alles schien den Feinden nichts anzuhaben und sie fuhren weiter. Erst als die Leichen sich schon stapelten, hielten sie inne. Und taten etwas Unvorstellbares. Die toten Körper, die zuvor die bereits zerstörten Schiffe bildeten, stapelten sich und bauten eine Rampe, die bis zum Wall hinaufführte. Die restlichen Schiffe fuhren drauf auf, lösten sich langsam auf und Trolle, Orks und andere die sich den Verstossenen angeschlossen hatten, kamen zum Vorschein. Sie stürmten die Rampe hinauf, aus dem Wasser hinter ihnen stiegen die ehemaligen Schiffsplanken, einige waren voller Seegras, und folgten den Verstoßenen. Shiro schrie, verzweifelt versuchte er zu fliehen. Ein erneutes Rumpeln lenkte seine Aufmerksamkeit auf sich. Zehn Felsbrocken kamen auf die Mauer zu. Die Trolle, die gerade über die Zinnen sprangen, wurden von einem Brocken mitgerissen. Die Restlichen Geschosse zerstörten die Mauer und die Rampe. Mehrere hunderte Schneeelfen, Feen, Zwerge und andere Rassen wurden mitgerissen. Ein Loch klaffte an der Stelle, an der zuvor Shiros Position war. Die Katapulte der Festung Winterstan lieferten sich nun ein Duell mit den Schiffen, schossen Brandgeschosse ab. Mehrere Geschosse prallten gegen die Mauer, ein Ruck riss die Verteidiger von den Beinen. Weitere feindliche Schiffe attackierten erneut, hielten diesmal auf die Löcher und Spalten zu. Sie zerschellten daran, doch die Leichen standen sofort auf und begannen zu kämpfen. Hunderte waren zusammengenagelt oder mit Metallplatten verschmolzen. Shiro stellte sich einem toten Zwerg, der die Klinge eines verstorbenen Elfen führte. Er durchschnitt die Oberschenkelpanzerung des Schneeelden und fügte ihm einen tiefen Schnitt zu. Mit einem lauten Schrei sackte Shiro zusammen. Er wartete auf den letzten Stoß, doch ein Fels flog heran und riss den toten Zwerg gegen die Zinnen. Shiro blieb vor Schreck liegen, konnte nicht mehr aufstehen und hielt sich wimmernd die Wunde zu. Auf einmal sackten die Feinde zusammen und waren wieder ganz normale Leichen. Shiro zog sich mit letzter Kraft auf eine Zinne und sah, wie die letzten überbliebenen Schiffe von der Flotte der Verteidiger vernichtet wurden. Sie hatten gesiegt. „Sammelt alle Leichen und verbrennt sie, ich will, dass sich die nie mehr bewegen!“, befahl ein Offizier und fuhr sich über seine gebrochene Nase. Shiro ließ den Blick über das Schlachtfeld schweifen. Die Mauer hatte an einigen Stellen riesige Löcher und Spalten, war mit Leichen übersät und teilweise nur blutrot. Dem Schneeelfen wurde schwindelig und er fiel in Ohnmacht.
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